Forschung kommt zu kurz

Forschung an der Universität kommt zu kurz
Jürgen Mittelstraß, seines Zeichens Vorsitzender des Österreichischen Wissenschaftsrats und Philosoph, kritisierte vor wenigen Tagen in seinem Vortrag anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Uni-Wiedereröffnung, die Forschungsabteilung der Salzburger Universität, stark. Laut seiner Meinung konzentriere sich die Uni in Salzburg wesentlich mehr auf Lehrinhalte, anstatt ein ausgewogenes Verhältnis von Lehren und Forschen zu schaffen.

Der Zuwachs an Studierenden an der Universität Salzburg, erhöhte sich in den letzten Jahren von rund 10.000 auf ca. 18.000 Studenten. Vielversprechende Zahlen, die von Grundsatz her als durchaus positiv zu vermerken sind. Jedoch führt ein solcher Zuwachs auch zu überfüllten Hörsälen und ein tagtäglicher Kampf der Studenten um einen Platz in den Lehrveranstaltungen. Das Problem könnte man ein wenig eindämmen, in dem man nicht nur Lehrveranstaltungen sondern auch Forschungsprojekte oder Vorträge anbieten würde. Besonders beliebt sind in der Uni Salzburg die Fächer Psychologie und Kommunikationswissenschaften. Forschende Wissenschaften wie Biologie, Chemie oder Physik fallen hier mittlerweile gänzlich unter den Tisch.

Studenten wissen nicht ob sie geeignet sind
Es ist schlimm genug, dass die Nachfrage nach forschenden Studiengängen immer weniger wird. Allerdings kritisiert Mittelstraß auch, dass Studierende in den Seminaren und Praktika sitzen und oftmals gar nicht genau wissen, ob sie für den gewählten Studiengang überhaupt geeignet sind. Das Problem liegt laut dem Philosophen Mittelstrauß hauptsächlich darin, dass den Studenten niemand mitteilt, ob sie hinreichend geeignet sind oder nicht. Der Vorsitzende des Österreichischen Wissenschaftsrats urteilte auf seinem Jubiläumsvortrag so: „Berge von Klausuren und endlose Prüfungstermine vertragen sich nun einmal nicht mit einer Vorstellung von Forschung, die sich einerseits am liebsten mit dem Begriff Großforschung definiert – wobei groß hinsichtlich der Zahl von Forschern und der finanziellen Mitteln gemeint ist – und andrerseits Faust-nah zu bleiben sucht“. Mittelstrauß sieht auch die immer häufiger anfallende Auslagerung von Forschungsprojekten an Einrichtungen außerhalb der Universitäten, als zunehmende Gefahr an.

Ein weiteres Problem sind die finanziellen Mittel die der Uni zur Verfügung stehen. Alleine zwischen 2013 bis 2015 stehen allen Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen gerade mal insgesamt 990 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Budget wird allerdings auf alle Bildungseinrichtungen in Österreich verteilt, sodass für jede Uni, Hochschule oder Forschungsanstalt nur ein kleiner Krümel des großen Kuchens übrig bleibt und die Inflation kaum abdecken kann.