Was ist Arbeit?

Was versteht man unter Arbeit?
"Was arbeitest du?" ist eine auf Partys oder bei anderen gesellschaftlichen Gelegenheiten häufig gestellte Frage, wenn sich Menschen näher kennen lernen. Dabei geht es oft um die Erwerbstätigkeit, der jemand nachgeht. Diese Tätigkeit füllt mit durchschnittlich acht Stunden Arbeitszeit in etwa die Hälfte der wach verbrachten Zeit eines Tages. Arbeitszeit ist Lebenszeit ist in Soziologenkreisen ein geflügeltes Wort, das deutlich machen soll - auch während unserer Erwerbstätigkeit sind wir lebendige, denkende und fühlende Menschen, die auch diese Zeit bewusst und aktiv für sich nutzen sollten. Damit wird dann häufig der Bogen geschlagen zur grundlegenden Diskussion "Macht Arbeit glücklich?", an der sich die Geister zumeist in zwei relativ konträre Lager spalten. Kaum oder zumindest deutlich weniger gestellt wird aber die Frage: Was ist Arbeit?

Geht man zurück zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte, so wird deutlich, dass es bereits damals Formen von Arbeit gab. Natürlich unterschieden sie sich ganz wesentlich von der heute damit beschriebenen Vielfalt an Tätigkeiten in der Informations- und Wissensgesellschaft. Arbeit war einfach ein Bündel an Aktivitäten, das die Menschen leisteten, um in einer für sie häufig unwirtlichen und gefährlichen Umgebung zu überleben. Von außen betrachtet ist Arbeit - auch bereits in der Frühzeit der Menschen - immer mit der Herstellung oder Verarbeitung von etwas verbunden. Dafür mussten andere Dinge oder Stoffe zerstört werden. Natürlich hatten diese Vorgänge in der Bronze- oder Eisenzeit nicht den zerstörerischen Charakter, den sie dann im Industriezeitalter bekommen haben, aber der grundlegende Prozess ist ein und derselbe gewesen.

Fachleute streiten sich über die Frage, ob auch Tiere arbeiten können. Anthropologen gehen jedoch davon aus, dass hier einer der Unterschiede zwischen Mensch und Tier gezogen werden kann: Der Mensch erarbeitet etwas, um sich damit selber auszudrücken. Also ist die Arbeit quasi ein Spiegelbild seines Menschseins. Damit rückt Arbeit dann auch wieder in die Nähe von Spiel und Kunst, denn auch diese beiden Bereiche werden von Menschen genutzt, um sich selber darzustellen oder auszudrücken.

Im Verlauf der Zeit hat die Wertigkeit von Arbeit einen grundlegenden Wandel erfahren. In der Antike galt derjenige, der körperlich arbeiten musste - dies waren die Sklaven - als unfrei und war in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz unten angesiedelt. Die geistigen Arbeiter, die Gelehrten, hingegen waren hoch angesehen. Im Mittelalter wurde der produktive Aspekt der Arbeit in den Vordergrund gestellt. Mit der Aufklärung rückten erstmals die Begriffe Beruf und Berufung enger zusammen, wer hingegen untätig war, galt als gesellschaftlich geächtet. Arbeit wurde zum Naturrecht des Menschen erklärt, nur wer etwas schafft, hat auch das Recht auf Besitztümer erworben. Mit der Industrialisierung wurde die Arbeit schließlich zum Produkt erklärt, das gehandelt werden konnte wie eine Ware. Damit wurde Lohndumping und unmenschlichen Arbeitsbedingungen Tür und Tor geöffnet. Erst die soziale Marktwirtschaft mit ihren gewerkschaftlichen und tarifvertraglichen Errungenschaften veränderte diese Situation der Arbeiter.

Im Informations- und Wissenszeitalter ist Arbeit längst nicht mehr gleichgesetzt mit einer körperlichen Tätigkeit wo Schutzbekleidung getragen werden sollte. Natürlich gibt es nach wie vor die Erwerbstätigkeit, die geleistet wird, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Einen immer höheren Stellenwert nimmt aber auch die schöpferische Arbeit ein, die Ausdruck und Mittel der Selbstentfaltung ist.

Was ist Arbeit - diese Frage würde jedoch in den Entwicklungs- und Schwellenländern ganz anders beantwortet werden. Deshalb wurden hier nur Teilaspekte erörtert, die Antwort geben auf die Entwicklungen des Arbeitsbegriffs in den westlichen Industrienationen.